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LER - Das andere Fach

Das Fach LER stellt an Schüler und Lehrer andere Anforderungen als der naturwissenschaftliche oder der Sprachunterricht. Es geht im LER-Unterricht nicht nur um eine fachliche Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten, sondern auch um eine emotionale, um die Bereitschaft zur Mitarbeit, zum Austausch von verschiedenen Sichtweisen und Positionen der Schüler untereinander, aber auch zwischen Lehrer und Schülern. Daher ist die ehrliche und engagierte Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema wichtiger als das Vermitteln abfragbaren Wissens.Diese Offenheit kann es mit sich bringen, dass ein Schüler vielleicht gerade die Position vertritt, die der Lehrer nicht hören will. Zündstoff bieten hier Themen wie Rassismus und Diskriminierung oder die Auseinandersetzung mit Glauben und Religion. Auch beim Gespräch über Liebe, Sexualität, Partnerschaft können völlig unterschiedliche Erwartungen und Vorstellungen aufeinandertreffen.
Für Schüler kann es ein Problem sein, wenn der Lehrer - bei entsprechendem Reifegrad der Schüler- einerseits den offenen, herrschaftsfreien Dialog anbietet, andererseits aber Noten gibt. Es hat sich jedoch (leider) gezeigt, dass ein Fach, in dem es keine Noten gibt, von vielen Schülern nicht ernst genommen wird. Für die Notengebung wird es aber weniger auf das Abschneiden in Tests (Lernzielkontrollen) als vielmehr die ernsthafte Teilnahme am Unterrichtsgespräch ankommen.

Der LER-Lehrer wird für seine Schüler stärker als Persönlichkeit sichtbar als die Kollegen der anderen Fächer. Wenn über Religionen gesprochen wird, werden ihn die Schüler vielleicht fragen: "Wie hälst du es denn mit der Religion?" Wenn es um Partnerschaft, Ehe und Familie geht, sollte er der Frage, ob er selbst verheiratet ist und Kinder hat oder nicht und warum er sich gerade so und nicht anders entschieden hat, nicht ausweichen.

Lebensgestaltung

Noch nie waren die Möglichkeiten junger Menschen, ihr Leben zu gestalten, so vielfältig wie heute. Gleichzeitig fehlen vielfach Maßstäbe zur Orientierung. Werbung oder ein oftmals banales Fernsehprogramm prägen Denk- und Verhaltensmuster.
Was kann Maßstab für ein befriedigendes Leben sein? Was kann ihm Sinn verleihen? Zum Leben gehört beispielsweise Geselligkeit, aber man muss auch allein sein können.
In höheren Klassen spielen Liebe, Partnerschaft, Sexualität eine größere Rolle. Der Lehrer wird heutzutage natürlich über Empfängnisverhütung und Schutz vor Aids sprechen. Er wird aber auch versuchen, den allzu banalen Behandlungen dieser Themen in Jugendmagazinen oder im Fernsehen (und leider auch manchem LER-Schulbuch) etwas entgegenzusetzen.

Ethik

Wie soll ich handeln? Welche Konsequenzen hat mein Handeln oder auch Nichthandeln für mich und andere?

Dinge, die eine verantwortungsbewusste Erziehung traditionell sowieso zu leisten hat, werden hier explizit thematisiert. Umfragen haben ergeben, dass Wertevermittlung das ist, was Eltern heutzutage in erster Linie von der Schule erwarten. Die 10 Gebote, Fragen der Generationengerechtigkeit und der Nicht-Diskriminierung zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen werden thematisiert.
Sittlichkeit, Moral, Takt und Höflichkeit muten manch einem altmodisch an. Der LER-Lehrer wird versuchen, diese Eigenschaften seinen Schülern nahe zu bringen.

Religionskunde

In Brandenburg gibt es im Gegensatz zu anderen Bundesländern (Ausnahme: die Stadtstaaten Berlin und Bremen) keinen alternativen Religionsunterricht. Dadurch kommt dem Themenbereich "Religionskunde" eine besondere Bedeutung zu. Es geht zum einen darum, den Schülern ein Wissen über die verschiedenen Religionen, d.h. über Religionsstifter, Gottesvorstellungen, Feiertage zu vermitteln, zum anderen sollte ein Verständnis für das Wesen der einzelnen Religionen vermittelt werden - möglichst nicht distanziert oder psychologisierend.
Wie prägt die Vorstellung der Wiedergeburt das Leben des Hinduisten oder Buddhisten?
Welche Traditionen und Erfahrungen sind für das Judentum von Bedeutung?
Christen glauben, dass Gott seinen Sohn zur Erlösung der Menschen auf die Erde geschickt hat. Wie gehen sie mit dieser "Frohen Botschaft" um? Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten - was bedeuten diese Feiertage?
In 40-50 Jahren könnten Muslime in Deutschland die Mehrheit bilden. Was sind ihre religiösen Vorstellungen? Wie können durch christlich-abendländische Kultur geprägte Menschen und Muslime friedlich und tolerant miteinander leben und nicht nebeneinander?
So wichtig es auch ist, dass der Schüler Religionsstifter und Feste der jeweiligen Religion benennen kann: eine Beschränkung auf abfragbares Wissen ohne Empathie, ohne zumindest den Versuch zu machen, Religionen bzw. Religiosität zu verstehen, wird den Intentionen des Faches LER nicht gerecht.
Letztendlich: Wir alle sind Glaubende, nicht Wissende, auch der Atheist: er glaubt, dass es einen Gott nicht gibt, wissen kann er das nicht.

Schülerarbeiten

Im LER-Unterricht der siebten Klassen ist das folgende schöne Gedicht entstanden:

Wie gehe ich an mein Leben ran?
Ich bin reich, habe viel Geld!
Mir gehört die ganze Welt!
Aber glücklich bin ich nicht!
vielleicht brauche ich einen Freund -
und zwar jetzt, hier und heut!
Was nützt mir die ganze Welt,
wenn das Band der Freundschaft sie nicht zusammenhält?
Doch gestern fand ich den Freund für's Leben!
Ich wollte haben und tat geben!
Nun bin ich der glücklichste Mensch der Welt!
Von Wert nunmehr ist nicht das Geld!

von F a b i a n M ü l l e r, Klasse 7b